KR-Sitzung, Dienstag, 05. November 2024
Traktandum 05
Auftrag Remo Bill (SP, Grenchen): Ein flächendeckendes Bauinventar erstellen und Mechanismen für die regelmässige Überprüfung von Bauten jüngerer Generationen installieren
Geschätzter Kantonsratspräsident
Geschätzte Regierung
Liebe Kolleginnen und Kollegen
Im Gegensatz zu anderen Kantonen wie zum Beispiel Bern, Zürich und Aargau führt Solothurn kein sogenanntes Bauinventar, das eine flächendeckende, systematische Gesamtschau über den Baubestand im Kanton bietet und diesen auch bewertet. Ein solches Inventar bildet nicht nur die Baugeschichte, sondern auch die Kulturgeschichte ab.
Ein Bauinventar im Kanton Solothurn bietet zahlreiche Vorteile: Bauwerke und Anlagen werden innerhalb eines bestimmten Gebietes systematisch erfasst. Historisch, architektonisch oder kulturell bedeutende Objekte sind inventarisiert und können gezielt geschützt werden.
Mit einem Bauinventar können Planer und Entscheidungsträger besser verstehen, welche Gebiete besondere Aufmerksamkeit erfordern, sei es wegen ihrer historischen Bedeutung oder wegen anderer charakteristischer Merkmale. Ein flächendeckendes, durch den Kanton erstelltes Bauinventar entlastet die Milizbehörde und verhindert allfällige Interessenskonflikte auf der kommunalen Ebene. Der Kanton ist wie die Gemeinde in der Pflicht, seiner gesetzlich verankerten Verantwortung nachzukommen. Künftige Generationen erhalten so einen fundierten Zugang zu wichtigen Bauten.
Das Architekturschaffen im Kanton Solothurn ist bis 1940 durch verschiedene Publikationen weitgehend bekannt. Zum Beispiel die historisch bedeutende St. Ursen Kathedrale in Solothurn. Was hingegen trotz der genannten Publikationen bislang fehlte, ist eine gültige Übersichtsdarstellung der entstandenen Bauten im Kanton Solothurn. Auch nach 1940 entstanden jetzt schon unter Schutz gestellte Bauwerke, die in ein Inventar gehören.
Wissend um die kontinuierliche Erfassung von schützenwerten Bauten, hat die Kantonale Denkmalpflege Solothurn den Zürcher Architekturhistoriker Michael Hanak ein Inventar über die Architektur der Jahre 1940 bis 1980 im Kanton Solothurn erstellen lassen. Die Spannbreite reicht vom einzelnen Wohnhaus über ganze Wohnsiedlungen, Sakralbauten, Schulgebäude, Geschäfts- und Verwaltungsgebäude bis zu Gewerbe- und Industriebauten oder Bauten für Freizeit und Sport.
Darin sind unter anderen folgende Bauwerke publiziert:
das Wildbachschulhaus, Kantonsschule mit der Mensa und dem NAWI-Trakt in Solothurn, das Säli Schulhaus, die Kantonschule und das Stadthaus in Olten, das Kirchenzentrum in Langendorf, die Maschinenfabrik Agathon in Bellach, die Autobahnraststätte Deitingen Süd, die reformierte Kirche in Luterbach, die katholische Kirche in Bettlach, das Schweizer Buchzentrum in Hägendorf, das Schulhaus Mur und die katholische Kirche in Breitenbach, die katholische Pfarrkirche und die Ziehhalle der Metallwerke in Dornach, das Schulhaus Unterfeld in Zuchwil, die katholische Kirche in Däniken, das Parktheater, das Schwimmbad und das Fussballstadion in Grenchen.
Das Inventar bietet eine wissenschaftlich begründete Auswahl und Einstufung von insgesamt 200 Objekten und dient fortan als Arbeitsinstrument nicht nur für die Denkmalpflege, sondern auch für die Baubehörden der betreffenden Gemeinden.
Anhand des Inventars von Michael Hanak wird deutlich, dass eine Gesamtschau über den ganzen Baubestand im Kanton Solothurn fehlt. Es braucht ein flächendeckendes Bauinventar und Mechanismen für die regelmässige Überprüfung von Bauten jüngerer Generationen.
Ich zitiere Zitat Stefan Blank, kantonaler Denkmalpfleger: «Es braucht ein höheres Bewusstsein bei Gemeinden und Eigentümern. Dazu gehört auch ein intaktes Ortsbild. Denn ein Gebäude steht nicht isoliert da. Wir alle haben eine Verantwortung gegenüber der Vergangenheit.»
Erwähnen möchte ich auch: Ein verbindliches, einheitliches und flächendeckendes Bauinventar bringt eine grosse Rechtssicherheit für alle Teilnehmer (Privatpersonen, Planer, Gemeinden, Verwaltungen, Organisationen).
Die Fraktion SP/ junge SP wird den Auftrag mit dem Originalwortlaut unterstützen.
Ich hoffe auch auf eure Unterstützung.
Besten Dank für die Aufmerksamkeit.
Remo Bill, Kantonsrat SP, Grenchen